Pessimistische Zürcher? Bevölkerungsbefragung Zürich 2015

Die Stadtentwicklung Zürich hat die Daten der Bevölkerungsbefragung 2015 im Januar 2017 auf der Plattform Open Data der Stadt Zürich unter der CC0-«Un-»Lizenz publiziert.

Erste Auswertungen meinerseits zeigen, dass die 2’501 befragten Bewohner im Durchschnitt die eigene wirtschaftliche Lage und die der Stadt eher gut bewerten, jedoch in der Perspektive die Lage der Stadt schlechter sehen als die eigene.

Gefragt wurde nach:

  • der Beurteilung der eigenen aktuellen wirtschaftlichen Lage
  • der Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Stadt Zürich
  • der Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage in ein bis zwei Jahren
  • der Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Stadt Zürich in ein bis zwei Jahren
Die wirtschaftliche Lage

In allen Kreisen wird die eigene Lage durchschnittlich mit einem «eher gut» bewertet (knapp 4 auf der linken Skala). In 6 der 12 Kreise wird die eigene aktuelle Lage besser bewertet als die der Stadt. In allen Kreisen wird die eigene Lage in der Zukunft positiv bewertet (2=Status quo, rechte Skala). weiterlesen →

Film: Within Formal Cities

Am 18. Juli zeigte das Pavilleon unter dem Titel «Urban Shorts» den Film «Within Formal Cities», das Architekten zeigt, wie sie partizipatives Bauen in Lateinamerika einfangen. Der laue Sommerabend hat so viel interessiertes Publikum angezogen, dass der Film zwei Mal gescreent wurde.

Die Architekten Brian Gaudio und Abraham Drechsler nähern sich dem Thema von Wohn- und Infrastrukturprojekten in Lima, Santiago, Rio de Janeiro, São Paulo und Bogotá, indem sie mit den unterschiedlichen Beteiligten sprechen. Die Relevanz des Themas ergibt sich aus der Tatsache, dass 80% der Bevölkerung in Lateinamerika in Städten lebt und aus dem Umstand, dass ein Teil dieser Städte Favelas sind. Viele urbane Zonen, nicht nur Favelas, leiden unter schwachen Infrastrukturen (z.B. Abwasserentsorgung) und sie sind für Projektentwickler äusserst uninteressant. Wo das Überleben an erster Stelle steht, ist die Rolle von Gestaltern unklar. weiterlesen →

Reformen bei der Bereitstellung öffentlicher Güter? Zürich befragt seine Bewohner

Ende August habe ich vom Kanton Zürich einen Fragebogen erhalten. Das Gemeindeamt befragt die Zürcher Bevölkerung zum Thema der öffentlichen Güter. Dabei geht es um

  • Fragen der lokalen Identität
  • das Wohlfühlen in der Wohngemeinde
  • die Wichtigkeit von bestimmten öffentlichen Gütern
  • die Zufriedenheit mit Dienstleistungen in der Wohngemeinde
  • die Meinung zu Aspekten in einer idealen Gemeinde
  • die Meinung zu Aspekten in der aktuellen Wohngemeinde
  • Kommunikation mit der Wohngemeinde
  • die Meinung zur Steuerbelastung in der Wohngemeinde
  • die Einschätzung der finanziellen Situation der Wohngemeinde
  • die Bereitschaft, Dienstleistungen künftig von einer Nachbargemeinde zu beziehen

Die Befragung zeigt, wie aktuell und relevant die Diskussion um die Bereit­stellung von öffentlichen Gütern ist (vgl. Urban-Governance-Beiträge: New Regionalism; Public Choice; Metropolitan Reform).  So fragt der Kanton Zürich konkret, welche Option vom Bewohner gewünscht wird, wenn die Wohngemeinde die Dienstleistung nicht mehr selbständig bereitstellen kann: weiterlesen →

Historisches Ensemble «Hirschen» in Oberstammheim

Am Europäischen Tag des Denkmals, das 2015 unter dem Motto «Austausch – Einfluss» stand, konnte in Oberstammheim der Gasthof Hirschen und das dazugehörige Ensemble besichtigt werden. Warum findet ein rurales und zugleich für Zürcher Verhältnisse abgelegenes (stündliche Verbindungen mit dem ÖV nach Winterthur, Frauenfeld und Diessenhofen) Ensemble Resonanz in diesem Blog?

Begrüssung und Referat im Stall
Begrüssung und Referat im Stall

Die Voraussetzung, den Gasthot Hirschen am Laufen zu halten, scheint in der peripheren Lage keine einfache Aufgabe. Fritz Wehrli-Schindler streicht sodann die guten Seiten des Konzeptes vor: Das Wirtepaar Schumacher, seit 2008 im Hirschen, kocht mit regionalen und saisonalen Nahrungsmitteln und serviert schenkt regionale Weine aus. Sie achten darauf, dass sowohl Feinschmecker aus der Ferne (Gault Millau) als auch die Dorfbewohner gerne das Lokal frequentieren. weiterlesen →

Jane’s Walk an der Badenerstrasse

Am ersten Mai-Sonntag finden in Erinnerung an die Stadtaktivistin Jane Jacobs in vielen Städten Jane’s Walks statt. In Zürich führte am Abend vom 3. Mai Marie-Anne Lerjen durch einen Abschnitt der Badenerstrasse.

In der Nähe vom Restaurant Freihof fanden wir den Weg in ein kleines Gebiet mit zweigeschossigen Reiheneinfamilienhäusern (Rudenzweg). Unsere Gruppe wurde schnell von Quartierbewohnern neugierig begutachtet und so kamen wir auch schnell ins Gespräch. Das Quartier hinterliess den Eindruck, sehr belebt zu sein. Das Quartier ist – von dem, was wir an dem Abend gesehen haben – mindestens in zweierlei Hinsicht speziell entlang der Badenerstrasse: es ist belebt und nicht hoch gebaut. weiterlesen →

Städtische versus ländliche Schweiz? (Kreis 2015)

Dieser Tage erschien beim Verlag Neue Zürcher Zeitung in der Reihe «die neue Polis» ein Band mit Beiträgen zu politischen Determinanten von Siedlungsstrukturen in der Schweiz. Zehn Autorinnen und Autoren entwickeln weiter, was bislang als «Stadt-Land-Gegensatz» behandelt wurde. Die Dichotomie hat in den letzten Jahren an Erklärungskraft eingebüsst. Der Zusammenhang zwischen Siedlungsstruktur und politischem Verhalten ist bedeutend komplexer, wie auch die Vielfalt der Beiträge zeigt.

Wichtig ist die genauere Betrachtung der Agglomeration, jene Siedlungsstruktur, die weder Kernstadt noch ländliches Dorf ist und in dem die Mehrheit der Bevölkerung wohnt. Agglomeration kann – wie z.B. Claude Longchamp in seinem Beitrag «Storf – die schweizerischen Agglomerationsgemeinden zwischen Stadt und Dorf» – nicht als einheitliches Gebilde erfasst werden; Agglomerationsgemeinden sollten räumlich und historisch differenziert betrachtet werden. weiterlesen →

Vielfältiges Gärtnern in Zürich: Expedition mit Karl dem Grossen

Auf Initiative des Zentrums Karl der Grosse spazierte ein gutes Dutzend Garteninteressierter Ende April durch die Quartiere Hard und Altstetten.

Gartenberater Hans Grob machte eine kurze Einführung mit einem historischen Abriss zum Gärtnern in Zürich. Familiengärten dienten anfänglich hauptsächlich der Ernährung der armen Bevölkerung (Eine weitere Erklärung, wonach die Gärten  der Disziplinierung der Bevölkerung und dem Fernhalten von Alkohol und Politik dienten, findet sich z.B. hier). Mitte 20. Jahrhunderts war die Mitgliederzahl am höchsten; danach war sie rückläufig. weiterlesen →

Blog von Raoul Steiger