«Gen-was? Was bedeutet Gentrifizierung für Zürich?» Debatte im Zentrum Karl der Grosse

Am 11. Dezember luden das Zentrum Karl der Grosse, «die Perspektive» und Foraus Zürich zum Podiumsgespräch zum Thema Gentrifizierung. Simon Jacoby (die Perspektive) leitet das Gespräch, bei dem die Meinungen der Direktorin der Stadtentwicklung der Stadt Zürich, Anna Schindler, der FDP-Kantonsrätin Carmen Walker-Späh und Jordi Riegg vom Verein Zitrone aufeinandertreffen.

Nach Ansicht von Riegg sind neben den Mietern die Kulturschaffenden von Gentrifzierung betroffen; ihnen fehlen geeignete Räume. Häufig werden sie an den Stadtrand verdrängt und in der Regel sind es Zwischennutzungen. Ein Problem sehen Kulturschaffende in der Tatsache, dass nichts von Bestand sein wird. Für Riegg besteht das Problem Zürichs darin, dass die Stadt bis ins letzte Detail geplant ist.

Frau Schindler argumentiert, dass Zürich nicht nur ein Zentrum hat und dass der Stadtrand per se nicht problematisch ist (vgl. auch den Blogeintrag  zum Limmattal). Beispielsweise installierte die Stadt in einem ehemaligen AMAG-Gebäude in Schwamendingen die Werkerei Schwamendingen Räume für Kreative als Zwischennutzung (vgl. Fischer Liegenschaften). Betreffend Wohnraum spricht sie von 40’000 Besitzerwechseln bei 200’000 Wohnungen pro Jahr, was für eine gewisse Dynamik spricht.  Für Schindler ist es wichtig, dass bei den Veränderungen, die die Gentrifizierung mit sich bringen, die soziale Vielfalt gewahrt bleiben muss.

Frau Walker-Späh erinnert daran, dass vor nicht allzu langer Zeit Stadtflucht geherrscht hat und es erst seit einigen Jahren in ist, in der Stadt zu wohnen. Gentrifizierung finde in allen erfolgreichen Städten statt. Bzgl. Wohnraum verweist sie auf den rel. grossen Anteil an Genossenschaften (26%), die preiswertes Wohnen ermöglichen. Das Sydefädeli, das gerade ersetzt wird, wird später die doppelte Wohnfläche umfassen (Serie zum Sydefädeli bei 10 vor 10, SRF). Auch sind in Zürich viele Reserven vorhanden, wenn auch nicht sichtbar, so ist z.B. ein gewisses Potential beim Ausbau von Dächern vorhanden. Betreffend Dichte fällt der Vergleich mit Rom, wo die Dichte zehn Mal grösser ist als in Zürich.

Für Walker-Späh ist der Wohnanteilplan, ein juristisches Instrument aus den 1980er-Jahren, das einen Mindestanteil Wohnen in einem Haus festlegt, nicht mehr zeitgemäss. Überhaupt wittert sie viele juristische Regulierungen, die die Stadtentwicklung hemmen. Pointiert sagt sie, sie wünsche, dass jeder, der einen Hafenkran auf seinem Grundstück wolle, ihn bauen dürfen solle. Viele Regulierungen entsprächen nicht mehr der heutigen Problemlage. So Walker-Späh kommt auf Gewerbetreibende zu sprechen, die ebenso Schwierigkeiten haben, geeignete Räume zu finden wie Kulturschaffende und Wohnungssuchende. Klagen gegen Gewerbetreibende wegen Lärm gibt es heute häufiger als früher.

Was die Gentrifizierung der Langstrasse betrifft, sieht Schindler den Treiber bei privaten Investoren. Die Europaallee wird früher oder später auf die Langstrasse Auswirkungen haben. Riegg nimmt an, dass die Langstrasse schon in 10 Jahren stark verändert sein wird (Schliessung des Kunstraumes «Perla Moda» als aktuelle Ausprägung davon). Walker-Späh gibt zu bedenken, dass häufig Pensionskassen in Projekte wie die Europaallee investieren.

Aus dem Publikum die Feststellung, dass Einfamilienhausquartiere wie z.B. in Albisrieden hemmend für Verdichtungsprojekte sind. Vom Podium wird bestätigt bzw. relativiert, dass es langfristige Prozesse sind, dass z.B. Erben von Häusern langfristig die Bindung ans Haus verlieren und mit Nachbarn, die in er vergleichbaren Situation sind. Grundsätzlich wird sich das Phänomen mit dem Stockwerkeigentum akzentuieren (das Gesetz ist seit 1965 in Kraft).

 

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