Historisches Ensemble «Hirschen» in Oberstammheim

Am Europäischen Tag des Denkmals, das 2015 unter dem Motto «Austausch – Einfluss» stand, konnte in Oberstammheim der Gasthof Hirschen und das dazugehörige Ensemble besichtigt werden. Warum findet ein rurales und zugleich für Zürcher Verhältnisse abgelegenes (stündliche Verbindungen mit dem ÖV nach Winterthur, Frauenfeld und Diessenhofen) Ensemble Resonanz in diesem Blog?

Begrüssung und Referat im Stall
Begrüssung und Referat im Stall

Die Voraussetzung, den Gasthot Hirschen am Laufen zu halten, scheint in der peripheren Lage keine einfache Aufgabe. Fritz Wehrli-Schindler streicht sodann die guten Seiten des Konzeptes vor: Das Wirtepaar Schumacher, seit 2008 im Hirschen, kocht mit regionalen und saisonalen Nahrungsmitteln und serviert schenkt regionale Weine aus. Sie achten darauf, dass sowohl Feinschmecker aus der Ferne (Gault Millau) als auch die Dorfbewohner gerne das Lokal frequentieren.

 

Die Trotte, eines von fünf Nebengebäuden
Die Trotte, eines von fünf Nebengebäuden

Es kommt nicht häufig vor, dass ein Eigentümer seine Gebäude freiwillig dem Denkmalschutz unterstellt. In seiner Rede hebt Herr Wehrli hervor, dass es in der Schweiz eine Tendenz zur Unterschuztstellung einzelner Gebäude gibt. Die Kosten für die laufenden Renovierungen beziffern sich auf vier Millionen Franken, wovon der Denkmalschutz ca. eine Million beisteruern wird, in der Stiftung eine weitere Million aufgetrieben werden soll und die übrigen zwei Millionen wollen die Wehrlis aufwenden. Die Müllersfamilie besitzt z.B. die Mühle Tiefenbrunnen und eine moderne Grossbäckerei.

Innenansicht: Erker
Innenansicht: Erker

Vorfahren der Familie baute 1684 das herrschaftliche Haus in Oberstammheim als Landsitz mit Gutsbetrieb.  Im Laufe der Zeit veränderte sich einiges am Haus: Der Erker kommt z.B. 1730 dazu. Im Innern kommen in der ersten Hälfte des 18 Jahrhunderts die bemalten Renaissancetüren hinzu, 1777 oder 1779 kommt eine Trotte hinzu. 1786 kommt es zu einem Verkauf der gesamten Liegenschaft an den Gastwirt Johann Martin Schenk aus Uhwiesen.

Bemalte Renaissacetür, 18. Jh.
Bemalte Renaissacetür, 18. Jh.

Nach dem rund 150-jährigen «Interregnum» erwerben 1941 drei Wehrli-Brüder den «Hirschen» und führen ihn  in den Familienbesitz zurück. 1976 wird der Hirschen einer Aussenrenovation unterzogen und 1978 durch Bund und Kanton unter Denkmalschutz gestellt. 1996 kommt der Hirschen in den Besitz der Familie Fritz Wehrli-Schindler, die Inneneinrichtung sanft restauriert.

Sanft restauriertes Deckentäfer
Sanft restauriertes Deckentäfer

Im Rundgang durch das Haus am 13. September konnte man sich ein Bild vom Inneren machen. Viele der Räume sind prachtvoll ausgestattet. An einigen Stellen, wie z.B. dem Deckentäfer, konnte man sich sanften Restaurationsbemühungen betrachten.

Fenster im Haus Wyttenbach
Fenster im Haus Wyttenbach

In seinem Vortrag legte Fritz Wehrli-Schindler sehr viel Wert auf die Erhaltung historischer Fenster. Hier sei besondere Zurückhaltung bei der Renovation notwendig.

Aussenansicht Haus Wyttenbach
Aussenansicht Haus Wyttenbach

Der Architekt Max Dell’Ava führte uns durch das Haus Wyttenbach, das derzeit renoviert und später als Hotel genutzt werden wird. Er wies auch darauf hin, dass jede Epoche einen Umgang mit den Gebäude hat, den man nicht bewerten soll. So fällt z.B. beim Haus Wyttenbach das Dach auf, das auf der Rückseite perfekt gerade ist und die Ziegel scheinen nicht zu passen.

Rückseite des Hauses Wyttenbach
Rückseite des Hauses Wyttenbach

Am Beispiel Hirschen lässt sich zeigen, wie dank einer engagierten Eigentümerschaft mit historischen Gebäuden umgegangen werden kann. Die Eigentümerschaft hat erkannt, wie wertvoll der Hirschen als Ensemble ist und dass viel Geld und Herzblut in den Erhalt gesteckt wird.

Links

 

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.