Jane’s Walk an der Badenerstrasse

Am ersten Mai-Sonntag finden in Erinnerung an die Stadtaktivistin Jane Jacobs in vielen Städten Jane’s Walks statt. In Zürich führte am Abend vom 3. Mai Marie-Anne Lerjen durch einen Abschnitt der Badenerstrasse.

In der Nähe vom Restaurant Freihof fanden wir den Weg in ein kleines Gebiet mit zweigeschossigen Reiheneinfamilienhäusern (Rudenzweg). Unsere Gruppe wurde schnell von Quartierbewohnern neugierig begutachtet und so kamen wir auch schnell ins Gespräch. Das Quartier hinterliess den Eindruck, sehr belebt zu sein. Das Quartier ist – von dem, was wir an dem Abend gesehen haben – mindestens in zweierlei Hinsicht speziell entlang der Badenerstrasse: es ist belebt und nicht hoch gebaut.

In einem bestimmten Gebiet nahe der Badenerstrasse ist es erlaubt, bis siebengeschossig zu bauen. Sehr gut sichtbar ist ein Beispiel des Umbauprozesses südlich der Badenerstrasse an der Soldanellastrasse. Vereinzelt stehen noch 2- bis 3-geschossige Gebäude, daneben ragen 7-geschossige Gebäude empor  (vgl. Abbildung).

7-geschossiges neben 2-geschossigem Haus (Soldanellaweg)
7-geschossiges neben 2-geschossigem Haus (Soldanellastrasse)
An der Flüelastrasse im ehemaligen Gebäude der Brieger Verpackungen haben wir eine Zwischennutzung besichtigt. Im Gebäude haben sich verschiede Personen eingemietet, darunter auch Künstlerinnen, die einen Raum als Atelier nutzen. Gleich gegenüber befindet sich eine Liegenschaft im Umbau. Nachdem die AMAG ausgezogen war, hat der Verein Zitrone mit der Eigentümerin einen Gebrauchsleihvertrag abgeschlossen. Gewerbe, Künstler und die Autonome Schule Zürich konnten somit zu günstigen Konditionen Raum mieten (vgl. Neuhaus 2014). Die Tiefgarage wurde als Disko genutzt. (Zum Thema Kreativwirtschaft und Zwischennutzungen vgl. den Blogbeitrag.) Auch in unmittelbarer Nähe ist das Brau- und Verkaufsgebäude der Brauerei «Turbinenbräu» (gegründet 1997, 2002 vom Escher-Wyss-Areal an die Badenerstrasse umgezogen).

Ehemaliges Gewerbegebäude, dann eine «Zitrone» und demnächst ein Wohnhaus
Ehemaliges Gewerbegebäude, dann eine «Zitrone» und demnächst ein Wohnhaus
Das Gebiet um die Badenerstrasse wird immer mehr vom Gewerbe- zum Wohngebiet. Bei den K.I.S.S.-Häusern («K.I.S.S.» steht für «kompromisslos, individuell, süss, sauer») hat die Architektur- bzw. die Marketingfirma ganze Arbeit geleistet. Sie vermieten nicht nur Wohnungen sondern einen Lebenssil. Je nach Typ («funky», «industrial», «classic») können unterschiedliche Wohnungstypen gemietet werden.

K.I.S.S.-Häuser
K.I.S.S.-Häuser: Ein Architekur- und Marketingobjekt
Auf Höhe Badenerstrasse 595 sind wir in einen Hof geschlichen. Auch das Haus Nr. 595 wurde von einer Gewerbe- in eine Wohnnutzung überführt (vgl. Bilder unten). Zudem wurde westlich und südlich davon eine Blockrandbebauung (bis 7-geschossig) realisiert. Wie aus der Luftaufnahme ersichtlich, wurde zwar ein «Park» angelegt, jedoch in einer postmodernen und nicht durchschreitungsgerechten Form: Bäume wurden in einen kniehohen Sockel gepflanzt. Die Begehung zeigte, dass der Park von niemandem genutzt wurde. Zugleich wurde festgestellt, dass die Sockelnutzung der Wohnhäuser auch nicht zum Verweilen und Begegnen angelegt wurden.

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Legende: Badenerstrasse 595 in den Jahren 1991 und 1999 (Screenshot Züriplan)

Der Abschluss der Führung fand auf dem Parkhaus der VBZ-Werkstätte hat, von wo man einen schönen Blick auf das sich verändernde Altstetten hat. Marie-Anne Lerjen sei an dieser Stelle für die kenntnis- und abwechlsungreiche Tour gedankt.

Links

Christina Neuhaus: «Zwischennutzungen sind in Zürich zum Geschäftsmodell geworden», Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2014

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