Soziologischer Stadtspaziergang durch Basel

Die Wochenzeitung WOZ, der Rotpunktverlag und das Seminar für Soziologie der Universität Basel haben  Stadtspaziergänge zum Thema «Raum und Macht» organisiert (vgl. Blogeintrag zum Buch). Am 4. Oktober ging es, thematisch angeleitet mit Lucius Burckhardts Blick auf die Stadt, durch Basel.

Verhinderte Verkehrsachse

Man traf sich in der Brasserie des Basler Bahnhofs und spazierte in Richtung Aeschenvorstadt, deren Umbau zur verkehrsreichen «Talentlastung» dank dem Engagement von Lucius und Annemarie Burckhardt verhindert werden konnte. Burckhardt setzte sich an der ETH Zürich und an der Hochschule Kassel mit der Frage der Partizipation der Bevölkerung bei der Gestaltung von urbanen Räumen auseinander.

Exklusive und inklusive Räume

Die engagierten Leiter der Führung konnten immer wieder aktuelle Bezüge zur Gegenwart der Basler Stadtentwicklung machen. Am Münsterplatz und beim Spiegelhof wurde auf die privatisierten Villen eingegangen. Bei der Messe wurde die Gestaltung des öffentlichen Raumes thematisiert. Ganz in der Nähe, beim alten Fussballstadion Landhof, haben «urban agriculturers» ihr Gemeinschaftsgartenprojekt vorgestellt. Die Gemeinschaftsgärten nach Basler Vorbild sind urbane Landwirtschaft als partizipative Begegnungsräume. Die Ernte wird von den Teilnehmern verbraucht und aber auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, die sie gegen einen freiwilligen Beitrag mitnehmen kann. Damit unterscheiden sich diese Gärten grundsätzlich von Schrebergärten und auch von Pflanzkästen in Palettrahmen, wie sie in Zürich hier und dort (Bsp. Merkurgarten in Hottingen) zu finden sind, wo meines Wissens die Eigentumrechte an der Ernte beim jeweiligen Pflanzkästenbesitzer sind.

Vom Hafen zum Luxuswohngebiet

Der letzte Teil des Spaziergangs brachte uns das Dreiländereck und das umstrittenen Entwicklungsgebiet im Rheinhafen Klybeck näher. Der Hafen wird in den nächsten Jahren umgebaut und dadurch wird  viel Fläche direkt am Rhein frei. Etwas verwunderlich ist der  Wagenplatzes heute zweifach besetzt: längere Zeit wurde der Platz von squattern angeignet, bis die Stadt einen Teil davon räumen liess und eine offizielle Zwischennutzung auf dem einen Teil organisierte.

Nach einem Blick auf die Nordtangente gab es einen Schlussapéro im Union.

Während des Rundgangs gab es Hintergrundinformationen von verschiedenen Personen: Markus Ritter, der 1986 zusammen mit Lucius Burckhardt die «Grüne Alternative Basel» gegründet hat und Herausgeber von Burhardts Schriften ist, erzählte biographisches aus dem Leben der Burckhardts und er gab Erläuterungen zum Neubau des Theaters. Von Peter Sutter gab es Ausführungen zur Talentlastungsstrasse, während Ueli Mäder über Villen und den Reichtum sprach. Aline Schoch informierte über den Finanz- und Handelraum (Messe) und über Urban Gardening. Reto Bürgin sprach am Wagenplatz über urbane Widerständigkeit und den Novartis Campus.

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