Wo sind die Bäckereien hin?

Heute habe ich einen Ausflug nach Stans gemacht. Im Hauptort des Kantons Nidwalden habe ich meine ersten zwanzig Lebensjahre verbracht. Das Dorf war in den 1980ern und in den 1990er sehr dörflich geprägt.

Was die Lebensmittelgeschäfte betrifft, so waren die meisten Läden klein. Detailhändler gab es am Dorfplatz selbst einen kleinen Coop, einen kleinen Giro (der Migrosartikel führt) und den Coldebella. In meinem Quartier gab es den Duss (später Schoch). In Autobahnnähe war der Länderpark, ein MMM der Migros (mit allem, was ein Kinderherz erfreut: einen DIY und einen Spielwarenladen).

Bei einem neuerlichen Besuch – seit vier Jahren kehre ich nicht mehr regelmässig nach Stans zurück – ist mir aufgefallen, welchem Wandel die Geschäftestruktur unterlegen ist. Besonders augenfällig ist der Wandel bei den Bäckereien. Damals gab es sechs Bäckereien mit eigenem Ladengeschäft. Davon sind die meisten zugegangen:

  • Odermatt (Hautgeschäft mit Backstube): heute ein Café
  • Odermatt (Filiale): heute eine Filiale der Bäckerei Hug
  • Kobi Barmettler, heute eine Boutique; die Bäckerei produziert heute in einem Gewerbegebäude ausserhalb des Dorfkerns Brot für die Hotellerie (Kreuzbäckerei AG)
  • Bäckerei Christen: heute eine Druckerei
  • Käslin: heute ein Zahnprotethiklabor
  • Frei (weiterhin im Geschäft)

Die interaktive Google-Karte zeigt die Bäckereien früher (rot) und heute (grün; gelb: in Ladengemeinschaft; blau: kein Laden)

Heute sind es also noch noch zwei Bäckereien. Odermatt wurde von der Luzerner Bäckerei Hug übernommen; Die Filiale, die sich in Bahnhofsähe befindet, existiert weiter. Das Hauptgeschäft  von Odermatt an der Stansstaderstrasse wurde später geschlossen. Weiterhin im Geschäft ist die Confiserie Frei mit Laden und Café. In der Ladengemeinschaft «Dorfplatz 9» haben sich ein Lebensmittelladen, eine Molkerei, eine Metzgerei und der Christen Beck zusammengeschlossen.

Vermutlich hat sich das Konsumverhalten in den letzten Jahren stark geändert. Viele kaufen ihr Brot bei den Grossverteilern ein (Coop hat in Bahnhofsnähe ein grosses EKZ gebaut, Migros den Länderpark nach rund 30 Jahren gesamterneuert und dabei die Ladenfläche fast verdoppelt und die Anzahl der Geschäfte verdoppelt (Quelle).  Auch schon kleine Läden bieten bis kurz vor Ladenschluss frisch aufgebackenes Brot an. Bäckereien, die die Ressourcen haben um zu expandieren und dabei ggfs. bestehende kleine Bäckereien mit ihrem Kundenstamm zu übernehmen und durch ihr Wachstum Skaleneffekte zu nutzen, scheinen die Gewinner der Entwicklung zu sein.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.